einfache_bahnbestimmung_von_kometen
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einfache_bahnbestimmung_von_kometen [2024/12/10 17:13] – gelöscht - Externe Bearbeitung (Unknown date) 127.0.0.1 | einfache_bahnbestimmung_von_kometen [2025/01/03 22:06] (aktuell) – [Literatur] quern | ||
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+ | ====== Einfache Bahnbestimmung von Kometen ====== | ||
+ | |||
+ | Der nachfolgende Text ist eine Abschrift eines Papers von Dieter Ewald "// | ||
+ | |||
+ | ===== Vorwort ===== | ||
+ | |||
+ | Der folgende Beitrag über eine erste Bahnbestimmung von Kometen war eigentlich für das Projekt " | ||
+ | |||
+ | Um meine Arbeit nicht in den Papierkorb zu werfen, habe ich mich jetzt entschlossen, | ||
+ | |||
+ | Gleichzeitig danke ich Jost Jahn bei dieser Gelegenheit für die Möglichkeit und Ermutigung meine Arbeit zu veröffentlichen. | ||
+ | |||
+ | ===== Einleitung ===== | ||
+ | |||
+ | Die Bestimmung einer ersten parabolischen Bahn aus drei geozentrischen Beobachtungen gehört zu den Grundaufgaben der Himmelsmechanik. Schon frühzeitig erkannte man, dass sich die Bewegung von " | ||
+ | |||
+ | Das Verfahren, das hier beschrieben werden soll, wurde in dieser Form von Olbers entwickelt und ist als die //Olbersche Methode//¹ zur Parabelbahnbestimmung allgemein bekannt geworden. Auf nähere Erläuterungen der Zusammenhänge und Ableitungen von Formeln wird hier verzichtet – um tiefer in die Problematik der gesamten Bahnrechnung einzudringen, | ||
+ | |||
+ | <WRAP center round info 100%> | ||
+ | ¹ Der Kern der Olberschen Methode besteht in der Bestimmung des Verhältnisses $\Phi_3$ zu $\Phi_1$ und der Anwendung der Lambertschen Formel. Für das Verhältnis der kurtierten Distanzen $\Phi_3$ und $\Phi_1$ wird die Annahme gemacht, dass man für die Verhältnisse der Flächen $n_1$ zu $n_3$ bzw. $N_3$ zu $N_1$ die Zwischenzeiten setzen kann, d.h., dass die Sehnen der Parabelbahn und der Erdbahn zwischen den äußeren Beobachtungen von den mittleren Radiusvektoren im Verhältnis der Zeiten geschnitten werden. Für Kometenbahnen haben bereits Euler und Lambert diese Voraussetzung gemacht – Olbers dehnte dieses auch auf die Erdbahn aus und fand damit ein recht praktikables Verfahren zur Bahnbestimmung von Parabelbahnen. Diese Fußnote wird durch die nachfolgenden Beschreibungen deutlich. | ||
+ | </ | ||
+ | ===== Parabelbahnen ===== | ||
+ | |||
+ | Eine Parabelbahn wird durch die folgenden fünf Bahnelemente eindeutig charakterisiert: | ||
+ | |||
+ | * die Bahnneigung $i$, | ||
+ | * die Länge des aufsteigenden Knotens $\Omega$, | ||
+ | * das Argument der Perihellänge $\omega$ (gezählt von $\Omega$ aus), | ||
+ | * den Perihelabstand $q$, | ||
+ | * den Zeitpunkt des Periheldurchgangs $T$ | ||
+ | |||
+ | Um fünf Bahnelemente festlegen zu können, müssen ebenso viele unabhängige Beobachtungsgrößen vorliegen. Es werden also mindestens drei vollständige Beobachtungen notwendig sein, um mit den gemessenen sphärischen Koordinaten, | ||
+ | |||
+ | ===== Umwandlung der $\alpha, | ||
+ | |||
+ | In den meisten Fällen werden die Koordinaten des Objektes in $\alpha$ und $\delta$ vorliegen, wie es beim Anschluss an Katalogsterne üblich ist. Die Umrechnung dieser Werte erfolgt quadrantenrichtig mit der Glg. 1 zu | ||
+ | $$\begin{align} | ||
+ | \beta &= \arcsin(\sin(\delta)\cdot\cos(\varepsilon) - \cos(\delta)\cdot\sin(\varepsilon)\cdot\sin(\alpha)) \\\\ | ||
+ | \lambda &= 2\cdot\arctan\left(\frac{\sin(\delta)\cdot\sin(\varepsilon) + \cos(\delta)\cdot\cos(\varepsilon)\cdot\sin(\alpha)}{\cos(\beta) + \cos(\alpha)\cdot\cos(\delta)}\right) | ||
+ | \end{align}\tag{1}$$ | ||
+ | |||
+ | wobei bei $\lambda \lt 0$ genau 360° addiert wird. Die Neigung der Ekliptik beträgt | ||
+ | |||
+ | * für $B1950.0$: $\varepsilon = 23\overset{\circ}{.}44579$ bzw. | ||
+ | * für $J2000.0$: $\varepsilon = 23\overset{\circ}{.}43929$ | ||
+ | |||
+ | ===== Berechnung der Erdposition ===== | ||
+ | |||
+ | Bekannt sein müssen weiterhin die drei Positionen der Erde zu den Zeitpunkten $i = 1, 2, 3$ der Beobachtung. Diese beschafft man sich, bezogen auf dasselbe Äquinoktium wie und $\lambda$ und $\beta$, aus einem Jahrbuch oder errechnet diese hinreichend genau mit dem anschließend dargestellten Formelsatz. Benötigt werden die heliozentrische Länge $L$ und der Radiusvektor $R$ der Erde. Die Breite der Erde weicht maximal $1\overset{'' | ||
+ | |||
+ | Für die drei Zeitpunkte der Beobachtung sind jeweils zu berechnen: | ||
+ | |||
+ | * die mittlere Länge $L'$ der Sonne | ||
+ | * die mittlere Anomalie $M$ der Sonne | ||
+ | * die mittlere Exzentrizität der Sonne $\epsilon$ | ||
+ | |||
+ | $$\begin{align} | ||
+ | L_{i}' &= 279\overset{\circ}{.}69668 + 36000\overset{\circ}{.}76892\cdot T_i \\ | ||
+ | M_{i} &= 358\overset{\circ}{.}47583 + 35999\overset{\circ}{.}04975\cdot T_i \\ | ||
+ | \epsilon_{i} &= 0.016751 - 0.0000418\cdot T_i | ||
+ | \end{align}\tag{2}$$ | ||
+ | |||
+ | Die Mittelpunksgleichung $C$ lautet mit der Anomalie der Sonne | ||
+ | |||
+ | $$\begin{align} | ||
+ | C_i =& | ||
+ | & | ||
+ | & | ||
+ | \end{align}\tag{3}$$ | ||
+ | |||
+ | Zum Zeitpunkt des Äquinoktium des Datums betragen dann die wahre Länge $L$ der Sonne, die Anomalie $\nu$ der | ||
+ | Sonne und der Radiusvektor $R$ zur Sonne | ||
+ | $$\begin{align} | ||
+ | L_i =& | ||
+ | \nu_i =& | ||
+ | R_i =& | ||
+ | \end{align}\tag{4}$$ | ||
+ | |||
+ | Um die Länge in einem Standardäqunoktium zu erhalten, ist die Präzession anzubringen. Diese lautet für $B1950.0$ | ||
+ | $$\begin{align} | ||
+ | T_i =& \frac{JD_i - 2433282.423}{36525} \\ | ||
+ | p_i =& 1\overset{\circ}{.}3966626\cdot T_i + 0\overset{\circ}{.}0003088\cdot T_i^2 | ||
+ | \end{align}\tag{5}$$ | ||
+ | |||
+ | und für $J2000.0$ | ||
+ | $$\begin{align} | ||
+ | T_i =& \frac{JD_i - 2451545.0}{36525} \\ | ||
+ | p_i =& 1\overset{\circ}{.}3969713\cdot T_i + 0\overset{\circ}{.}0003088\cdot T_i^2 | ||
+ | \end{align}\tag{6}$$ | ||
+ | |||
+ | Damit ergibt sich letztlich die Länge der Erde zu $L_i = L_i + 180^{\circ} - p_i$. Ergibt sich ein negativer Wert, sind $360^{\circ}$ zu addieren, bei Längen die größer sind als $360^{\circ}$ sind selbige zu subtrahieren. | ||
+ | |||
+ | ===== Die Bahnbestimmung ===== | ||
+ | |||
+ | Sind alle Vorausberechnungen vollzogen, so stehen die folgenden Werte für die eigentliche Berechnung zur | ||
+ | Verfügung: | ||
+ | |||
+ | * die Beobachtungszeitpunkte $t_i,\quad i = 1, 2, 3$ | ||
+ | * die ekliptikalen geozentrischen Längen $\lambda_i, | ||
+ | * die ekliptikalen geozentrischen Längen $\beta_i, | ||
+ | * die heliozentrischen Längen der Erde $L_i,\quad i = 1, 2, 3$ in Grad | ||
+ | * die Entfernungen der Erde zur Sonne $R_i,\quad i = 1, 2, 3$ in Astronomischen Einheiten (AE) | ||
+ | |||
+ | Aus den Beobachtungszeitpunkten werden die Differenzen | ||
+ | \[\begin{aligned} | ||
+ | \tau_1 &= k\cdot (t_3 - t_2) \\ | ||
+ | \tau_2 &= k\cdot (t_3 - t_1) \\ | ||
+ | \tau_3 &= k\cdot (t_2 - t_1) | ||
+ | \end{aligned}\tag{7}\] | ||
+ | |||
+ | mit der [[: | ||
+ | |||
+ | <WRAP center round info 100%> | ||
+ | Die $t_i$ mit $i = 1, 2, 3$ sind als Bruchteile von Jahrhunderten seit dem julianischen Tag $JD = 2415020.0$ in der Notation | ||
+ | $\large t_i = \frac{JD_i - 2415020.0}{36525}$ zu berechnen. | ||
+ | </ | ||
+ | |||
+ | Das Verhältnis $M$ der kurtierten (= auf die Ekliptikebene des Kometen projizierten) Distanzen wird berechnet zu | ||
+ | \[\begin{align} | ||
+ | M_1 &= \tau_1\cdot\big[\tan(\beta_2)\cdot\sin(\lambda_1 - L_2) - \tan(\beta_1)\cdot\sin(\lambda_2 - L_2)\big] \\ | ||
+ | M_2 &= \tau_3\cdot\big[\tan(\beta_3)\cdot\sin(\lambda_2 - L_2) - \tan(\beta_2)\cdot\sin(\lambda_3 - L_2)\big] \\ | ||
+ | M &= \frac{M_1}{M_2} | ||
+ | \end{align}\tag{8}\] | ||
+ | |||
+ | Unter der Annahme eines geschätzten Wertes der Distanz $\Phi_1$ (Anfangswert im Bereich von $0.5 - 1.5 AE$) wird der tatsächliche Radiusvektor $r_1$ der ersten Beobachtung, | ||
+ | \[\begin{align} | ||
+ | r_{1}^2 &= R_{1}^2 + 2\cdot R_1\cdot\cos(\lambda_1 - L_1)\cdot\Phi_1 + \frac{\Phi_{1}^2}{\cos^2(\beta_1)} \\ | ||
+ | r_{3}^2 &= R_{3}^2 + 2\cdot R_3\cdot\cos(\lambda_3 - L_3)\cdot\Phi_1\cdot M + \frac{M^2\cdot\Phi_{1}^2}{\cos^2(\beta_3)} \\ | ||
+ | s^2 &= r_{1}^2 + r_{3}^2 - 2\cdot R_1\cdot R_3\cdot\cos(L_3 - L_1) \\ | ||
+ | &- 2\cdot\Phi_1\cdot\big[R_1\cdot M\cdot\cos(\lambda_3 - L_1) + R_3\cdot\cos(\lambda_1 - L_3)\big] \\ | ||
+ | &- 2\cdot M\cdot\Phi_{1}^2\cdot\big[\cos(\lambda_3 - \lambda_1) + \tan(\beta_1)\cdot\tan(\beta_3)\big] \\ | ||
+ | \end{align}\tag{9}\] | ||
+ | |||
+ | berechnet. Anschließend werden die Werte $r_1, r_3$ und $s$ in die Lambertsche Gleichung | ||
+ | $$6\cdot k\cdot\tau_2 = \sqrt{(r_1 + r_3 + s)^3} - \sqrt{(r_1 + r_3 - s)^3}\tag{10}$$ | ||
+ | |||
+ | eingesetzt, um deren die Richtigkeit zu prüfen. Ist die Gleichung nicht erfüllt, wird mit einem neuen Wert von $\Phi_1$ gerechnet. Es wird so lange iteriert bis die Gleichung erfüllt ist. Sind die Gleichungen in Glg. 9 mit zwei verschiedenen Werten von $\Phi_1$ durchgerechnet, | ||
+ | |||
+ | ===== Die Bestimmung der Bahnelemente ===== | ||
+ | |||
+ | Ist die Iteration nach der Lambertschen Gleichung abgeschlossen, | ||
+ | \[\begin{align} | ||
+ | b_1 &= \arcsin\left(\frac{\Phi_1\cdot\tan(\beta_1)}{r_1}\right)\\ | ||
+ | b_3 &= \arcsin\left(\frac{\Phi_3\cdot\tan(\beta_3)}{r_3}\right) | ||
+ | \end{align}\tag{11}\] | ||
+ | |||
+ | Die Längen $l_1$ und $l_3$ in der Bahn betragen | ||
+ | \[\begin{align} | ||
+ | l_1 &= 2\cdot\arctan\left(\frac{r_1\cdot\cos(b_1) - \Phi_1\cdot\cos(\lambda_1) - R_1\cdot\cos(L_1)}{\Phi_1\cdot\sin(\lambda_1) + R_1\cdot\sin(L_1)}\right) \\ | ||
+ | l_3 &= 2\cdot\arctan\left(\frac{r_3\cdot\cos(b_3) - \Phi_3\cdot\cos(\lambda_3) - R_3\cdot\cos(L_3)}{\Phi_3\cdot\sin(\lambda_3) + R_3\cdot\sin(L_3)}\right) | ||
+ | \end{align}\tag{12}\] | ||
+ | |||
+ | Die Hilfsgrößen $d$, $c$ und $a$ werden zu | ||
+ | |||
+ | \[\begin{align} | ||
+ | d &= \tan(b_1)\cdot\sin(l_3 - l_1) \\ | ||
+ | c &= \tan(b_3) - \tan(b_1)\cdot\cos(l_3 - l_1) \\ | ||
+ | a &= \arctan\left(\frac{d}{c}\right) | ||
+ | \end{align}\tag{13}\] | ||
+ | |||
+ | berechnet. Ist $c \lt 0$, so wird zu $a$ genau $180^{\circ}$ addiert. Beträgt $a \lt 0$, so wird zu $a$ genau $360^{\circ}$ addiert. Damit ergibt sich als Erstes die Knotenlänge $\Omega$ und die Bahnneigung $i$ gegen die Ekliptik zu | ||
+ | \[\begin{align} | ||
+ | \Omega &= a + l_1 \\ | ||
+ | i &= \arctan\left(\frac{\tan(b_1)}{\sin(a)}\right) | ||
+ | \end{align}\tag{14}\] | ||
+ | |||
+ | wobei für $l_3 \lt l_1$ eine rückläufige Bahn vorliegt und dann $i = 180^{\circ} - i$ zu setzen ist! Die Berechnung der Argumente der Breite $u_1$ und $u_3$ erfolgt durch | ||
+ | \[\begin{align} | ||
+ | u_1 &= \arctan\left(\frac{\tan(l_1 - \Omega)}{\cos(i)}\right) \\ | ||
+ | u_3 &= \arctan\left(\frac{\tan(l_3 - \Omega)}{\cos(i)}\right) | ||
+ | \end{align}\tag{15}\] | ||
+ | |||
+ | wobei für $i = 1,2$ für eine Bahnneigung $i$ von weniger als $90^{\circ}$ $l_1 - \Omega$ und $u$ im selben Quadranten und für eine Bahnneigung von mehr als $90^{\circ}$ $l_1 - \Omega$ und $360^{\circ} - u$ im selben Quadranten zu nehmen sind. Weiter wird die Hilfsgröße $f$ bestimmt zu | ||
+ | \[\begin{align} | ||
+ | f &= \frac{u_3 - u_1}{2} \\ | ||
+ | \nu &= \arctan\left(\dfrac{\dfrac{1}{\sqrt{r_1}\cdot\tan(f)} - \dfrac{1}{\sqrt{r_3}\cdot\sin(f)}}{\dfrac{1}{\sqrt{r_1}}}\right)\\ | ||
+ | &= \arctan\left(\dfrac{1}{\tan(f)} - \dfrac{\sqrt{r_1}}{\sqrt{r_3}\cdot\sin(f)}\right) | ||
+ | \end{align}\tag{16}\] | ||
+ | |||
+ | woraus die Länge des Perihel $\pi$, das Argument der Perihellänge $\omega$, die Periheldistanz $q$ und die Zeit $T$ des Periheldurchganges zu | ||
+ | \[\begin{align} | ||
+ | \pi &= u_1 - 2\cdot\nu + \Omega \\ | ||
+ | \omega &= u_1 - 2\cdot\nu \\ | ||
+ | q &= r_1\cdot\cos^2(\nu) \\ | ||
+ | T &= \frac{\sqrt{2}}{k}\cdot q^{\frac{3}{2}}\cdot\left(\tan(\nu) + \frac{1}{3}\cdot\tan^3(\nu)\right) + t_1 | ||
+ | \end{align}\tag{17}\] | ||
+ | |||
+ | ermittelt wird. | ||
+ | |||
+ | Sind die Bahnelemente ermittelt, ist mit diesen zweckmäßigerweise eine Kontrollrechnung durchzuführen, | ||
+ | |||
+ | ===== Berechnung einer Ephemeride für eine Parabelbahn ===== | ||
+ | |||
+ | Für die Rechnung ist es von Vorteil, mit den Gausskonstanten $P_x,P_y$ und $P_z$ bzw. $Q_x,Q_y$ und $Q_z$ zu rechnen. Mit den Hilfsgrößen | ||
+ | \[\begin{align} | ||
+ | H_1 &= \cos(\omega)\cdot\sin(\Omega) + \sin(\omega)\cdot\cos(\Omega)\cdot\cos(i) \\ | ||
+ | H_2 &= \sin(\omega)\cdot\sin(i) \\ | ||
+ | H_3 &= -\sin(\omega)\cdot\sin(\Omega) + \cos(\omega)\cdot\cos(\Omega)\cdot\cos(i) \\ | ||
+ | H_4 &= \cos(\omega)\cdot\sin(i) | ||
+ | \end{align}\tag{18}\] | ||
+ | |||
+ | erhält man sie zu | ||
+ | |||
+ | \[\begin{align} | ||
+ | P_x &= \cos(\omega)\cdot\cos(\Omega) - \sin\omega\cdot\sin(\Omega)\cdot\cos(i) \\ | ||
+ | P_y &= H_1\cdot\cos(\varepsilon) - H_2\cdot\sin(\varepsilon) \\ | ||
+ | P_z &= H_2\cdot\cos(\varepsilon) + H_1\cdot\sin(\varepsilon) | ||
+ | \end{align}\tag{19}\] | ||
+ | |||
+ | und | ||
+ | \[\begin{align} | ||
+ | Q_x &= -\sin(\omega)\cdot\cos(\Omega) - \cos(\omega)\cdot\sin(\Omega)\cdot\cos(i) \\ | ||
+ | Q_y &= H_3\cdot\cos(\varepsilon) - H_4\cdot\sin(\varepsilon) \\ | ||
+ | Q_z &= H_4\cdot\cos(\varepsilon) + H_3\cdot\sin(\varepsilon) | ||
+ | \end{align}\tag{20}\] | ||
+ | |||
+ | Daraus werden die Größen | ||
+ | \[\begin{align} | ||
+ | A &= 3\cdot k\cdot\frac{t_2 - T}{2\cdot\sqrt{2}\cdot q^{\frac{3}{2}}} \\ | ||
+ | z &= \textrm{sgn}(A) \\ | ||
+ | x &= \sqrt[3]{\sqrt{A^2 + 1} + z\cdot A} - \sqrt[3]{\sqrt{A^2 + 1} - z\cdot A} | ||
+ | \end{align}\tag{21}\] | ||
+ | |||
+ | bestimmt. Zusätzlich wichtig sind noch die Größen | ||
+ | \[\begin{align} | ||
+ | r &= q\cdot (1 + x^2) \\ | ||
+ | F_1 &= q\cdot (1 - x^2) \\ | ||
+ | F_2 &= 2\cdot q\cdot x\cdot z | ||
+ | \end{align}\tag{22}\] | ||
+ | |||
+ | Die kartesischen geozentrischen Koordinaten sind dann | ||
+ | |||
+ | \[\begin{align} | ||
+ | X &= F_1\cdot P_x + F_2\cdot Q_x - X_e \\ | ||
+ | Y &= F_1\cdot P_y + F_2\cdot Q_y - Y_e \\ | ||
+ | Z &= F_1\cdot P_z + F_2\cdot Q_z - Z_e | ||
+ | \end{align}\tag{23}\] | ||
+ | |||
+ | wobei die Werte $X_e,Y_e$ und $Z_e$ (Erdkoordinaten) aus $R$ und $L$ vorher zu | ||
+ | \[\begin{align} | ||
+ | X_e &= R\cdot\cos(L) \\ | ||
+ | Y_e &= R\cdot\sin(L)\cdot\cos(\varepsilon) \\ | ||
+ | Z_e &= R\cdot\sin(L)\cdot\sin(\varepsilon) \\ | ||
+ | \end{align}\tag{24}\] | ||
+ | |||
+ | errechnet werden müssen. Die Entfernung Erde-Komet $\Delta$, die Deklination $\delta$ und die Rektaszension $\alpha$ betragen dann jeweils | ||
+ | \[\begin{align} | ||
+ | \Delta &= \sqrt{X^2 + Y^2 + Z^2} \\ | ||
+ | \delta &= \arcsin\left(\frac{Z}{\Delta}\right) \\ | ||
+ | \alpha &= \frac{2}{15}\cdot\arctan\left(\dfrac{\Delta\cdot\cos(\delta) - X}{Y}\right) \\ | ||
+ | \end{align}\tag{25}\] | ||
+ | |||
+ | Beträgt die Rektaszension $\alpha$ weniger als $0^h$, so sind $24^h$ zu addieren. | ||
+ | |||
+ | ===== Beispiele ===== | ||
+ | |||
+ | <WRAP center round box 100%> | ||
+ | ==== Beispiel 1 ==== | ||
+ | |||
+ | **Tab.1**: Gemessene Positionen des Kometen Zanotta-Brewington ($1991g1$) für $B1950.0$ | ||
+ | {{tablelayout? | ||
+ | ^ Datum | ||
+ | | JJJJ MM TT | hh:mm | hh: | ||
+ | | 1992 01 12 | 17:12 | 22: | ||
+ | | 1992 01 17 | 17:11 | 22: | ||
+ | | 1992 01 21 | 17:08 | 22: | ||
+ | |||
+ | Im ersten Beispiel sollen die Bahnelemente des Kometen Zanotta-Brewington ($1991g1$) aus drei vollständigen Beobachtungen errechnet werden. Durch den Autor wurden an drei Abenden Positionsmessungen des Kometen mittels Ringmikrometer an einem 11cm Refraktor durchgeführt. Nach den Berechnungen mit Anschluss an SAO Katalogsterne ergeben sich mittels der Ausgangswerte in der **Tab.1** die in der **Tab.2** aufgeführten Ausgangswerte der Bahnberechnung. | ||
+ | |||
+ | **Tab.2**: Errechnete Ausgangswerte von Komet Zanotta-Brewington (1999g1) für $B1950.0$ | ||
+ | {{tablelayout? | ||
+ | ^ Nummer | ||
+ | | 1 | ||
+ | | 2 | ||
+ | | 3 | ||
+ | |||
+ | Aus den obengenannten Werten ergibt sich ein Verhältnis der Distanzen $M = 0.928913$. Es wurde jeweils | ||
+ | mit einem $\Phi_1$ von $1.5\;AE$ und $0.8\; AE$ durchgerechnet und entsprechend überprüft. Die geringste Abweichung von | ||
+ | $\lt 0.00001\; | ||
+ | |||
+ | \(\begin{align} | ||
+ | \Phi_3 &= 0.76368\; | ||
+ | b_1 &= 21\overset{\circ}{.}233\\ | ||
+ | b_3 &= 6\overset{\circ}{.}669\\ | ||
+ | l_1 &= 55\overset{\circ}{.}848\\ | ||
+ | l_3 &= 69\overset{\circ}{.}591 | ||
+ | \end{align}\) | ||
+ | |||
+ | Für das Äquinoktium $B1950.0$ ergeben sich die in der **Tab.3** aufgelisteten Bahnelemente im Vergleich zu den von der IAU verbreiteten Bahnelementen. Man kann damit schon feststellen, | ||
+ | |||
+ | **Tab.3**: Vergleich der Bahnelemente für den Kometen Zanotta-Brewington ($1991g1$) | ||
+ | {{tablelayout? | ||
+ | ^ Bahnelement | ||
+ | | Knotenlänge $\Omega$ | ||
+ | | Bahnneigung $i$ | $49\overset{\circ}{.}317$ | ||
+ | | Perihellänge $\omega$ | ||
+ | | Perihelabstand $q$ | ||
+ | | Penheldurchgang $T$ | 1992 01 31.637 | ||
+ | </ | ||
+ | |||
+ | <WRAP center round box 100%> | ||
+ | ==== Beispiel 2 ==== | ||
+ | |||
+ | **Tab.4**: Gemessene Positionen des Kometen P/ | ||
+ | {{tablelayout? | ||
+ | ^ Datum | ||
+ | | JJJJ MM TT | hh:mm | hh: | ||
+ | | 1992 11 13 | 18:02 | 17: | ||
+ | | 1992 11 21 | 17:14 | 18: | ||
+ | | 1992 11 27 | 17:48 | 18: | ||
+ | |||
+ | Im zweiten Beispiel sollen die Bahnelemente des Kometen P/ | ||
+ | |||
+ | **Tab.5**: Errechnete Ausgangswerte von Komet P/ | ||
+ | {{tablelayout? | ||
+ | ^ Nummer | ||
+ | | 1 | ||
+ | | 2 | ||
+ | | 3 | ||
+ | |||
+ | Aus den obengenannten Werten ergibt sich ein Verhältnis der Distanzen $M = 1.122378$. Es wurde jeweils | ||
+ | mit einem $\Phi_1$ von $1.5\; SAE$ und $0.8\; AE$ durchgerechnet und entsprechend überprüft. Die geringste Abweichung von | ||
+ | $\lt 0.00002\; | ||
+ | |||
+ | \(\begin{align} | ||
+ | \Phi_3 &= 1.15117\; | ||
+ | b_1 &= 57\overset{\circ}{.}063\\ | ||
+ | b_3 &= 43\overset{\circ}{.}008\\ | ||
+ | l_1 &= 359\overset{\circ}{.}829\\ | ||
+ | l_3 &= 342\overset{\circ}{.}221 | ||
+ | \end{align}\) | ||
+ | |||
+ | |||
+ | Da $l_3 \lt l_1$ ist, liegt die Bahnneigung $i$ zwischen $90^{\circ}$ und $180^{\circ}$. Für das Äquinoktium 1950.0 ergeben sich die in der **Tab.6** aufgelisteten Bahnelemente im Vergleich zu den von der IAU verbreiteten Bahnelementen. Man erkennt, dass diese Bahnbestimmung auch bei Ellipsenbahnen mit großer Exzentrizität gute Werte liefert. | ||
+ | |||
+ | **Tab.6**: Vergleich der Bahnelemente für den Kometen P/ | ||
+ | {{tablelayout? | ||
+ | ^ Bahnelement | ||
+ | | Exzentrizität $\epsilon$ | ||
+ | | Knotenlänge $\Omega$ | ||
+ | | Bahnneigung $i$ | $112\overset{\circ}{.}997$ | ||
+ | | Perihellänge $\omega$ | ||
+ | | Perihelabstand $q$ | $0.96363\; | ||
+ | | Penheldurchgang $T$ | 1992 12 11.985 | ||
+ | </ | ||
+ | |||
+ | ===== Literatur ===== | ||
+ | |||
+ | * [1] Bauschinger, | ||
+ | * [2] Bucerius, J.: Himmelsmechanik Bd.1, Mannheim 1966. | ||
+ | * [3] Frischauf, J.: Grundriß der theoretischen Astronomie, Leipzig 1922. | ||
+ | * [4] Hansen, P. A.: Über die Bestimmung der Bahn eines Himmelskörpers (Nachdruck), | ||
+ | * [5] Stracke, G.: Bahnbestimmung der Planeten und Kometen, Berlin 1929. | ||
+ | * [6] Stumpff, K.: Himmelsmechanik Bd.1, Berlin 1973 | ||
+ | |||
+ | Zu den weiteren [[: | ||
+ | |||
+ | |||