einfache_bahnbestimmung_von_kometen
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| einfache_bahnbestimmung_von_kometen [2024/12/23 17:47] – [Literatur] quern | einfache_bahnbestimmung_von_kometen [2026/02/24 22:44] (aktuell) – [Die Bestimmung der Bahnelemente] quern | ||
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| ====== Einfache Bahnbestimmung von Kometen ====== | ====== Einfache Bahnbestimmung von Kometen ====== | ||
| - | Der nachfolgende Text ist eine Abschrift eines Papers von Dieter Ewald "// | + | Der nachfolgende Text ist eine Abschrift eines Papers von Dieter Ewald "// |
| ===== Vorwort ===== | ===== Vorwort ===== | ||
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| - | ¹ Der Kern der Olberschen Methode besteht in der Bestimmung des Verhältnisses $\Phi_3$ zu $\Phi_1$ und der Anwendung der Lambertschen Formel. Für das Verhältnis der kurtierten Distanzen $\Phi_3$ und $\Phi_1$ wird die Annahme gemacht, dass man für die Verhältnisse der Flächen $n_1$ zu $n_3$ bzw. $N_3$ zu $N_1$ die Zwischenzeiten setzen kann, d.h., dass die Sehnen der Parabelbahn und der Erdbahn zwischen den äußeren Beobachtungen von den mittleren Radiusvektoren im Verhältnis der Zeiten geschnitten werden. Für Kometenbahnen haben bereits Euler und Lambert diese Voraussetzung gemacht – Olbers dehnte dieses auch auf die Erdbahn aus und fand damit ein recht praktikables Verfahren zur Bahnbestimmung von Parabelbahnen. Diese Fußnote wird durch die nachfolgenden Beschreibungen deutlich. | + | ¹ Der Kern der Olberschen Methode besteht in der Bestimmung des Verhältnisses $\Delta_3$ zu $\Delta_1$ und der Anwendung der Lambertschen Formel. Für das Verhältnis der kurtierten Distanzen $\Delta_3$ und $\Delta_1$ wird die Annahme gemacht, dass man für die Verhältnisse der Flächen $n_1$ zu $n_3$ bzw. $N_3$ zu $N_1$ die Zwischenzeiten setzen kann, d.h., dass die Sehnen der Parabelbahn und der Erdbahn zwischen den äußeren Beobachtungen von den mittleren Radiusvektoren im Verhältnis der Zeiten geschnitten werden. Für Kometenbahnen haben bereits Euler und Lambert diese Voraussetzung gemacht – Olbers dehnte dieses auch auf die Erdbahn aus und fand damit ein recht praktikables Verfahren zur Bahnbestimmung von Parabelbahnen. Diese Fußnote wird durch die nachfolgenden Beschreibungen deutlich. |
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| ===== Parabelbahnen ===== | ===== Parabelbahnen ===== | ||
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| * die Beobachtungszeitpunkte $t_i,\quad i = 1, 2, 3$ | * die Beobachtungszeitpunkte $t_i,\quad i = 1, 2, 3$ | ||
| * die ekliptikalen geozentrischen Längen $\lambda_i, | * die ekliptikalen geozentrischen Längen $\lambda_i, | ||
| - | * die ekliptikalen geozentrischen | + | * die ekliptikalen geozentrischen |
| * die heliozentrischen Längen der Erde $L_i,\quad i = 1, 2, 3$ in Grad | * die heliozentrischen Längen der Erde $L_i,\quad i = 1, 2, 3$ in Grad | ||
| * die Entfernungen der Erde zur Sonne $R_i,\quad i = 1, 2, 3$ in Astronomischen Einheiten (AE) | * die Entfernungen der Erde zur Sonne $R_i,\quad i = 1, 2, 3$ in Astronomischen Einheiten (AE) | ||
| - | Aus den Beobachtungszeitpunkten werden die Differenzen | + | Aus den Beobachtungszeitpunkten werden die Differenzen |
| \[\begin{aligned} | \[\begin{aligned} | ||
| \tau_1 &= k\cdot (t_3 - t_2) \\ | \tau_1 &= k\cdot (t_3 - t_2) \\ | ||
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| \end{align}\tag{8}\] | \end{align}\tag{8}\] | ||
| - | Unter der Annahme eines geschätzten Wertes der Distanz $\Phi_1$ (Anfangswert im Bereich von $0.5 - 1.5 AE$) wird der tatsächliche Radiusvektor $r_1$ der ersten Beobachtung, | + | Unter der Annahme eines geschätzten Wertes der Distanz $\Delta_1$ (Anfangswert im Bereich von $0.5 - 1.5 AE$) wird der tatsächliche Radiusvektor $r_1$ der ersten Beobachtung, |
| \[\begin{align} | \[\begin{align} | ||
| - | r_{1}^2 &= R_{1}^2 + 2\cdot R_1\cdot\cos(\lambda_1 - L_1)\cdot\Phi_1 + \frac{\Phi_{1}^2}{\cos^2(\beta_1)} \\ | + | r_{1}^2 &= R_{1}^2 + 2\cdot R_1\cdot\cos(\lambda_1 - L_1)\cdot\Delta_1 |
| - | r_{3}^2 &= R_{3}^2 + 2\cdot R_3\cdot\cos(\lambda_3 - L_3)\cdot\Phi_1\cdot M + \frac{M^2\cdot\Phi_{1}^2}{\cos^2(\beta_3)} \\ | + | r_{3}^2 &= R_{3}^2 + 2\cdot R_3\cdot\cos(\lambda_3 - L_3)\cdot\Delta_1\cdot M + \frac{M^2\cdot\Delta_{1}^2}{\cos^2(\beta_3)} \\ |
| s^2 &= r_{1}^2 + r_{3}^2 - 2\cdot R_1\cdot R_3\cdot\cos(L_3 - L_1) \\ | s^2 &= r_{1}^2 + r_{3}^2 - 2\cdot R_1\cdot R_3\cdot\cos(L_3 - L_1) \\ | ||
| - | &- 2\cdot\Phi_1\cdot\big[R_1\cdot M\cdot\cos(\lambda_3 - L_1) + R_3\cdot\cos(\lambda_1 - L_3)\big] \\ | + | &- 2\cdot\Delta_1\cdot\big[R_1\cdot M\cdot\cos(\lambda_3 - L_1) + R_3\cdot\cos(\lambda_1 - L_3)\big] \\ |
| - | &- 2\cdot M\cdot\Phi_{1}^2\cdot\big[\cos(\lambda_3 - \lambda_1) + \tan(\beta_1)\cdot\tan(\beta_3)\big] \\ | + | &- 2\cdot M\cdot\Delta_{1}^2\cdot\big[\cos(\lambda_3 - \lambda_1) + \tan(\beta_1)\cdot\tan(\beta_3)\big] \\ |
| \end{align}\tag{9}\] | \end{align}\tag{9}\] | ||
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| $$6\cdot k\cdot\tau_2 = \sqrt{(r_1 + r_3 + s)^3} - \sqrt{(r_1 + r_3 - s)^3}\tag{10}$$ | $$6\cdot k\cdot\tau_2 = \sqrt{(r_1 + r_3 + s)^3} - \sqrt{(r_1 + r_3 - s)^3}\tag{10}$$ | ||
| - | eingesetzt, um deren die Richtigkeit zu prüfen. Ist die Gleichung nicht erfüllt, wird mit einem neuen Wert von $\Phi_1$ gerechnet. Es wird so lange iteriert bis die Gleichung erfüllt ist. Sind die Gleichungen in Glg. 9 mit zwei verschiedenen Werten von $\Phi_1$ durchgerechnet, | + | eingesetzt, um deren die Richtigkeit zu prüfen. Ist die Gleichung nicht erfüllt, wird mit einem neuen Wert von $\Delta_1$ gerechnet. Es wird so lange iteriert bis die Gleichung erfüllt ist. Sind die Gleichungen in Glg. 9 mit zwei verschiedenen Werten von $\Delta_1$ durchgerechnet, |
| ===== Die Bestimmung der Bahnelemente ===== | ===== Die Bestimmung der Bahnelemente ===== | ||
| - | Ist die Iteration nach der Lambertschen Gleichung abgeschlossen, | + | Ist die Iteration nach der Lambertschen Gleichung abgeschlossen, |
| \[\begin{align} | \[\begin{align} | ||
| - | b_1 &= \arcsin\left(\frac{\Phi_1\cdot\tan(\beta_1)}{r_1}\right)\\ | + | b_1 &= \arcsin\left(\frac{\Delta_1\cdot\tan(\beta_1)}{r_1}\right)\\[2ex] |
| - | b_3 &= \arcsin\left(\frac{\Phi_3\cdot\tan(\beta_3)}{r_3}\right) | + | b_3 &= \arcsin\left(\frac{\Delta_3\cdot\tan(\beta_3)}{r_3}\right) |
| \end{align}\tag{11}\] | \end{align}\tag{11}\] | ||
| Die Längen $l_1$ und $l_3$ in der Bahn betragen | Die Längen $l_1$ und $l_3$ in der Bahn betragen | ||
| \[\begin{align} | \[\begin{align} | ||
| - | l_1 &= 2\cdot\arctan\left(\frac{r_1\cdot\cos(b_1) - \Phi_1\cdot\cos(\lambda_1) - R_1\cdot\cos(L_1)}{\Phi_1\cdot\sin(\lambda_1) + R_1\cdot\sin(L_1)}\right) \\ | + | l_1 &= 2\cdot\arctan\left(\frac{r_1\cdot\cos(b_1) - \Delta_1\cdot\cos(\lambda_1) - R_1\cdot\cos(L_1)}{\Delta_1\cdot\sin(\lambda_1) + R_1\cdot\sin(L_1)}\right) \\[2ex] |
| - | l_3 &= 2\cdot\arctan\left(\frac{r_3\cdot\cos(b_3) - \Phi_3\cdot\cos(\lambda_3) - R_3\cdot\cos(L_3)}{\Phi_3\cdot\sin(\lambda_3) + R_3\cdot\sin(L_3)}\right) | + | l_3 &= 2\cdot\arctan\left(\frac{r_3\cdot\cos(b_3) - \Delta_3\cdot\cos(\lambda_3) - R_3\cdot\cos(L_3)}{\Delta_3\cdot\sin(\lambda_3) + R_3\cdot\sin(L_3)}\right) |
| \end{align}\tag{12}\] | \end{align}\tag{12}\] | ||
| Die Hilfsgrößen $d$, $c$ und $a$ werden zu | Die Hilfsgrößen $d$, $c$ und $a$ werden zu | ||
| - | |||
| \[\begin{align} | \[\begin{align} | ||
| d &= \tan(b_1)\cdot\sin(l_3 - l_1) \\ | d &= \tan(b_1)\cdot\sin(l_3 - l_1) \\ | ||
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| \end{align}\tag{15}\] | \end{align}\tag{15}\] | ||
| - | wobei für $i = 1,2$ für eine Bahnneigung $i$ von weniger als $90^{\circ}$ $l_1 - \Omega$ und $u$ im selben Quadranten und für eine Bahnneigung von mehr als $90^{\circ}$ $l_1 - \Omega$ und $360^{\circ} - u$ im selben Quadranten zu nehmen sind. Weiter wird die Hilfsgröße $f$ bestimmt zu | + | wobei für die Indizes |
| \[\begin{align} | \[\begin{align} | ||
| f &= \frac{u_3 - u_1}{2} \\ | f &= \frac{u_3 - u_1}{2} \\ | ||
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| | 3 | | 3 | ||
| - | Aus den obengenannten Werten ergibt sich ein Verhältnis der Distanzen $M = 0.928913$. Es wurde jeweils | + | Aus den obengenannten Werten ergibt sich ein Verhältnis der Distanzen $M = 0.928913$. Es wurde jeweils mit einem $\Delta_1$ von $1.5\;AE$ und $0.8\; AE$ durchgerechnet und entsprechend überprüft. Die geringste Abweichung von $\lt 0.00001\; |
| - | mit einem $\Phi_1$ von $1.5\;AE$ und $0.8\; AE$ durchgerechnet und entsprechend überprüft. Die geringste Abweichung von | + | |
| - | $\lt 0.00001\; | + | |
| \(\begin{align} | \(\begin{align} | ||
| - | \Phi_3 &= 0.76368\; | + | \Delta_3 |
| b_1 &= 21\overset{\circ}{.}233\\ | b_1 &= 21\overset{\circ}{.}233\\ | ||
| b_3 &= 6\overset{\circ}{.}669\\ | b_3 &= 6\overset{\circ}{.}669\\ | ||
| Zeile 319: | Zeile 316: | ||
| | 3 | | 3 | ||
| - | Aus den obengenannten Werten ergibt sich ein Verhältnis der Distanzen $M = 1.122378$. Es wurde jeweils | + | Aus den obengenannten Werten ergibt sich ein Verhältnis der Distanzen $M = 1.122378$. Es wurde jeweils mit einem $\Delta_1$ von $1.5\; SAE$ und $0.8\; AE$ durchgerechnet und entsprechend überprüft. Die geringste Abweichung von $\lt 0.00002\; |
| - | mit einem $\Phi_1$ von $1.5\; SAE$ und $0.8\; AE$ durchgerechnet und entsprechend überprüft. Die geringste Abweichung von | + | |
| - | $\lt 0.00002\; | + | |
| \(\begin{align} | \(\begin{align} | ||
| - | \Phi_3 &= 1.15117\; | + | \Delta_3 |
| b_1 &= 57\overset{\circ}{.}063\\ | b_1 &= 57\overset{\circ}{.}063\\ | ||
| b_3 &= 43\overset{\circ}{.}008\\ | b_3 &= 43\overset{\circ}{.}008\\ | ||
| Zeile 330: | Zeile 325: | ||
| l_3 &= 342\overset{\circ}{.}221 | l_3 &= 342\overset{\circ}{.}221 | ||
| \end{align}\) | \end{align}\) | ||
| - | |||
| Da $l_3 \lt l_1$ ist, liegt die Bahnneigung $i$ zwischen $90^{\circ}$ und $180^{\circ}$. Für das Äquinoktium 1950.0 ergeben sich die in der **Tab.6** aufgelisteten Bahnelemente im Vergleich zu den von der IAU verbreiteten Bahnelementen. Man erkennt, dass diese Bahnbestimmung auch bei Ellipsenbahnen mit großer Exzentrizität gute Werte liefert. | Da $l_3 \lt l_1$ ist, liegt die Bahnneigung $i$ zwischen $90^{\circ}$ und $180^{\circ}$. Für das Äquinoktium 1950.0 ergeben sich die in der **Tab.6** aufgelisteten Bahnelemente im Vergleich zu den von der IAU verbreiteten Bahnelementen. Man erkennt, dass diese Bahnbestimmung auch bei Ellipsenbahnen mit großer Exzentrizität gute Werte liefert. | ||
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| * [6] Stumpff, K.: Himmelsmechanik Bd.1, Berlin 1973 | * [6] Stumpff, K.: Himmelsmechanik Bd.1, Berlin 1973 | ||
| + | Zu den weiteren [[: | ||
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